Kreis Borken/Wessum. 2017 hat der Bundestag beschlossen, dass ab 2020 alle Auszubildenden der Kranken- Kinderkranken- und Altenpflege zwei Jahre lang eine gemeinsame, generalistische Ausbildung erhalten, mit der Möglichkeit einen Vertiefungsbereich in der praktischen Ausbildung zu wählen. Wer die generalistische Ausbildung im dritten Jahr fortsetzt, erwirbt den Abschluss zur Pflegefachfrau oder -mann. Auszubildende, die den Schwerpunkt Altenpflege oder Pflege von Kindern und Jugendlichen wählen, können für das dritte Ausbildungsjahr statt des generalistischen Berufsabschlusses einen gesonderten Abschluss in der Altenpflege oder Kinderkrankenpflege erwerben.

Einen Einzelabschluss in der Krankenpflege soll es mit der Generalistik nicht mehr geben. Die künftigen Pflegefachfrauen und -männer sollen fit für die Zukunft gemacht werden. Da sich die Aufgaben von Alten- und Krankenpflegern zunehmend überschneiden, benötigen die Mitarbeiter in den Pflegeheimen mehr Wissen über Akutpflege, im Krankenhaus Spezialkenntnisse von Altenpflegern. Die Attraktivität der Berufe soll damit gesteigert und Karrierechancen bis hin zum Studium erhöht werden. Der Besuch der Pflegeschulen soll außerdem zukünftig bundesweit gebührenfrei sein.

So richtig Freude über die Generalistik kommt indes bei allen Beteiligten nicht auf. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer (2.v.re.) sieht die Entscheidung auch eher verhalten. So war Arndt-Brauer von Anfang an gegen die Generalistik. Aus zahlreichen Gesprächen in Pflegeeinrichtungen ist sich die Politikerin sicher, dass es unterschiedliche Persönlichkeiten sind, die sich ganz bewusst entweder für die Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpflege entscheiden und sich auch intensiv entsprechend weiterbilden.

Wie das das Caritas-Bildungszentrum für Pflege und Gesundheit mit dem Fachseminar Altenpflege in Wessum sieht, wollten jetzt Arndt-Brauer, ihre Bundestagskollegin Ursula Schulte (Mi.) sowie Ludwig Niestegge (SPD Ahaus, li.) vor Ort erfahren. Bildungswerk-Geschäftsführer Wolfgang Dargel (2.v.li.) und Seminarleiter Reinhard Sicking (re.) äußerten zwar auch ihre Bedenken, trotzdem hat man sich dafür entschieden, nach der neuen Generalistik umfassend auszubilden und bereitet sich auch schon entsprechend vor. Wie die Ausbildung im Einzelnen künftig aussehe, sei aber Ländersache, machte Sicking deutlich und wartet noch auf genaue Informationen sowie Rahmenlehrpläne. Damit die Betriebskosten in den Pflegeschulen auskömmlich sind, müsste außerdem die Förderung, die das Land NRW leistet, künftig mehr angehoben werden, stellte Dargel klar. Zwar soll die Vergütung für Altenpflegeseminare von bisher 280 Euro um rund 100 Euro erhöht werden, dies deckt aber bei weitem nicht die Kosten, die mit der Generalistik, wie z.B. mehr Lehrpersonal, entstehen. "Im Vergleich dazu erhalten die Krankenpflegeschulen bereits heute Erstattungssätze von z.T. mehr als 500 Euro", erläuterte Dargel weiter und hofft, dass die Finanzierung der Ausbildungskosten in der Generalistik nach oben angepasst wird. Arndt-Brauer und Schulte stimmten zu, dass mit der Gesetzgebung auch die Finanzierung gesichert werden müsste.

Die Umsetzung der Ausbildung sehe dann so aus, dass sich die Pflegeschüler*innen im Ausbildungsvertrag zwar mit einem Vertiefungsschwerpunkt festlegen, aber gegebenenfalls noch wechseln können - möglicherweise aber mit einem Schul- und Praxiswechsel. Klar sei aber, dass nach Abschluss der generalistischen Ausbildung die Absolventen überall einsetzbar seien, versicherte Seminarleiter Sicking. Entsprechende Praxisplätze in Krankenhäusern oder der Pädiatrie zu finden, sei aber sicherlich nicht so einfach, befürchtet Sicking.

Ob die Generalistik jedoch zu einer Entlastung des Fachkräftemangels führt, sieht Arndt-Brauer, die sich mit den Pflegefachleuten darin einig ist, so noch nicht. Da die Gewinnung von geeigneten Bewerbern bereits jetzt äußert schwierig sei, so Sicking, betrachte man die Entwicklung noch skeptisch. Dargel und Sicking wollen trotz aller Bedenken positiv in die Zukunft schauen und bereiten intensiv die Umstellung vom Altenpflege-Fachseminar zur Pflegefachschule vor.

Abschließend war man sich einig, dass eine gute finanzielle Ausstattung von großer Bedeutung sei, wenn die Generalistik einen positiven Effekt haben soll.